Da liegen sie hinter uns: fünf zuckrige Jahre, aufgereiht wie Perlen. Eine glitzernde Kette in dunkler Nacht. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. So heißt es. Nur wen fragt man, wann es für wen am Schönsten ist? Fünf Jahre trafen wir uns freitags im Limmer Volksbad. Heiße Freitage waren heiß, warme Freitage waren warm und wenn es stürmte, regnete und der Sommer herbstlich war, dann war uns immer noch warm ums Herz, denn ein paar von euch waren immer da.
Es gibt Menschen - und das sind Viele - die liegen des Nachts in ihren Betten, denken an Ratenzahlungen, die Erziehung ihrer Kinder, die Verklinkerung des Carports. Sie leben ihr gerechtes Leben. Sie schaffen, sie bauen, sie haben nette Kollegen, blonde Kinder, praktische Autos. Sie liebten die Ekstase der Nacht in einem gewissen Alter. Und dann sahen sie, dass es gut war.
Und dann gibt es Menschen - und derer sind auch Viele - die laufen des Nachts durch ihre Stadt. Sie denken an den Abend und keinesfalls den Morgen. Sie lieben ihre Gegenwart. Sie tanzen, sie trinken, sie entdecken Menschen in einer Nacht, sie erzählen, sie labern, sie lieben, sie lallen. Sie sind die Ekstase der Nacht. Und dann kommt der Morgen.
Eine Stadt ist immer ein Kompromiss. Wir haben Regeln, fürs Zusammenleben. Wir haben sehr viele Regeln. Denn wir sind die Krone der Zivilisation. Eine moderne Stadt, angetrieben durch zwei Drittel Kernspaltung und ein Drittel Verbrennung fossiler Mikroorganismen (und bisschen Wind und Sonne.) Fast soviele oder mehr Einwohner wie Rom, Damaskus, Theben in ihrer Blüte. Köln, 1.000 Jahre lang die größte Stadt im teutschen Mittelalter, hätte 20 mal bei uns wohnen, leben, arbeiten können. Eine Stadt ist ein Wunder. Eine Stadt besteht aus Steinen und Erde, aus Fleisch und Blut, aus Tinte und Papier, aus Gefühlen und Gedanken, aus Wünschen und Hoffnung.
Jede Stadt ist die Stadt auf dem Hügel, ihre Lunge ist unsere Lunge, ihr Herz unser Herz, ihr starker Arm schlägt uns oder umfasst uns, sie ist unser Geist und unser After, sie ist für uns da, der Durstige sei getränkt und der Ruhebedürftige ruhe. Die Stadt ist unser Leben. Deshalb nehmen wir in ihr und für sie gegenseitig Rücksicht auf unsere unterschiedlichsten Bedürfnisse. Das gilt für alle.
Verzeiht den Moment der Melancholie und der tieferen Gedanken. Wir hatten Spaß, ihr hattet Spaß. Das ist zu Ende.
Ein paar Beobachtungen:
Im Gegensatz zu anderen Feiern, gab es bei uns keine Skrupel, warum sollte man lange beobachtend um die Tanzfläche schleichen, wenn doch das wahre Leben genau in ihrer Mitte lag. Tanzt, tanzt, so schnell die Winde tragen. Tanzt, tanzt, denn der DJ beherrscht sein Handwerk. Tanzt, tanzt, und schon graut der Morgen.
Wasser ist Magie. Die Kerzen, die Lichter, die Verheißung der Frische, das Plätschern und der spiegelnde Mond. Kleine Wellen und große Kreise. Zärtlich umschlungene Pärchen, die baumelnden Beine der Menschen am Rand, tief ins Gespräch versunkene Spaziergänger am anderen Ufer und im Hintergrund leuchtet die Rutsche, unser Wahrzeichen und Motiv.
Nirgendwo war der Sommer so schön. Nach der langen Radtour durch die Nacht, betrat man einen erleuchtete Wunderwelt mit guten Freunden und guter Laune. Der Club am Pool war nur möglich, dank der positiven Energie vieler strahlender Menschen. Die Deko und Beleuchtung, die Zelte und Möbel, die Musik - das waren nur Bausteine. Erst die entspannte und trotzdem detailverliebte Arbeit hat aus diesen Bausteinen ein schönes Schloss gebaut. Ein Versailles in Hannover, ein Strandclub in Bali, ein Palast in Marrakech, das innere Italien - Fernweh auf den Punkt gebracht.
Nun werde es grau, es werde Alltag, es werde Herbst. Lasst uns kräftig, mutig, schön sein.
Denn hier die Fakten: Es gibt keinen Club am Pool mehr. Alle Termine fallen aus. Es gab Beschwerden aus der erweiterten Nachbarschaft bei der Stadt. Deshalb ist nun alles zu Ende.
Wer hat Schuld? Wir. Zuviel Lärm, zuviel Energie. Es gibt ein Recht auf Ruhe. Es lebe hoch.